Der Tag an dem eine autonome Drohne ins Wohnzimmer geflogen kam und mir ins Gesicht schoss

Dass alles irgendwann wahr wird, hätte ich damals, in meiner Jugend, im Kino nicht gedacht.

Die Realität galoppierte an der Fiktion vorbei. Die Computer wurden winzig, wir geben sie nicht mehr aus der Hand, bald halte ich das letzte Blatt Papier in Händen, bald klingelt nicht mehr der Postbote zweimal, bald plaudere ich mit keinem Taxifahrer mehr, bald wird über meinem Kopf mehrschichtig geflogen, die Straßen zu Schluchten geworden.

Da lese ich in der FAZ-online, dass die Killer-Roboter im Anmarsch seien und mashe ein paar Zeilen daraus, irgendwie verstört, irgendwie erschrocken, irgendwie düster, was auch der Übertitel des Artikels „Düstere Zukunft“ verspricht.

Ups, daran ist aber kein Mensch schuld

Die Amerikaner wollen, dass nichts passiert //
ranghoher Bundeswehroffizier glaubt //
Blendwaffen, die Soldaten dauerhaft erblinden lassen //
Chemische und biologische Waffen //
Atomwaffensperrvertrag //
zwar unterlaufen, insgesamt aber recht erfolgreich //
keine autonome Technologie, die sich nicht auch militärisch einsetzen ließe //

Harpy //
stundenlang friedlich über feindlichem Gebiet kreisen //
ein Drohnen-Schwarm, der im Formationsflug ein Ziel angreift //
verlangte Adolf Hitler noch vergeblich //

Der Wettlauf //
die Führung //
Feld der Künstlichen Intelligenz //
höchstwahrscheinlich //
in den dritten Weltkrieg //

Die Welt beherrschen //
die Emotionslosigkeit der Killer-Roboter //
völkerrechtswidrig //
Kriegsroboter, der einen Feind erschießt //
sich ergeben will //

Am Ende //
handtellergroße Drohne // Gesichtserkennung //
hineinfliegen // Zielperson erschießen //
die anderen Hausbewohner am Leben lassen //
menschenleere Schlachtfelder //
nur noch die Maschinen //

Hasta la vista, baby!

4 Kommentare

  1. Lieber Urs,
    Dystopie?
    Nein, längst ein gruseliges und doch so realistisches Szenario, dafür hast du eine verdammt gute Überschrift gewählt und dein Text macht mir, obwohl ich noch ein wenig in der Sonne sitze, eine fette Gänsehaut … Sprachlich auf die Spitze getrieben, mitten ins Gesicht geschossen, trifft ins Schwarze.
    Nachdenkliche Grüße,
    Mia

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Mia
      Ich musste nach der Lektüre des FAZ-Artikels was draus machen, weil darin so absurd anmutende Aussagen stehen, dass ich nur noch baff war. Tja, hoffen wir mal, dass die KI doch nicht so I wird oder Hacker sie mit einem Menschlichkeitsvirus attackieren.
      Herzlich, Urs

      Gefällt mir

  2. Lieber Urs,
    Drohnen im ästhetischen Formationsflug und Harpy Harmlos im Killermodus – eine düstere Vision, die du sprachlich eindringlich lebendig werden lässt.
    Da könnte sogar der Terminator eine Gänsehaut bekommen.

    Herzliche Grüße
    Ulrike

    Gefällt 1 Person

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