Am Ende: Das Meer googeln

Ungeordnete, unredigierte Gedanken am Meer in Torremolinos auf der Höhe des Hauses Nr. 47:

Das Meer ist (nicht) leer.

Da drüben (je nach Wetterlage ist der Kontinent sichtbar) wollen alle weg, hierhin, wo ich frei liegen kann.

Wieviele schafften es letzte Nacht nicht? Wieviele kamen zitternd an? Nicht hier, weiter westlich.

Ebenfalls unweit: Absurd umstrittener Affenfelsen.

Frische Sklaven für die Gemüseplantagen weiter östlich, die ich morgen easyjettend überfliegen werde, zurück in mein Leben im Lot, schaue kurz hinunter (nicht zurück), tue nichts, außer betroffen sein.

Oder auf Tüchern auf der Promenade für Touristen: GucciPradaYSLAdidasNikeRolexZebramaskenArmbändelHalskettenTücher

(Vertipper: Promemaden, sofort twittern)

Da wo ich sitze wäre ich früher nur analog gesessen.

Säße Hemingway heute mit dem Smartphone hier? Mit wem chattete er?

Da wo ich sitze wird bald niemand mehr sitzen können.

Als ich vor 31 Jahren zum ersten mal ohne Eltern Urlaub machen durfte, fuhr ich zum zweiten mal in meinem Leben ans Meer. Wir zelteten in Rimini. Der Sommerhit war „I love to love“.

Dieser Moment wenn die Sonne durch die Wolken bricht.

Wann werde ich mich zum letzten mal vom Meer verabschieden?

Ich mag Strände, fürchte mich aber, im Meer zu schwimmen.

Mein Rücken ist von einer Schürfnarbe gezeichnet, die ich mir am Pazifik zugezogen hatte. Ließ mich von einer Welle überrollen. Naiv wie Leute, die Schweizer Berge mit Flip-Flops besteigen wollen.

Nieder mit den Bergen. Freie Sicht aufs Mittelmeer! Freie Fahrt für alle über alle Meere!

Sierra Nevada.

Das Meer ist politisch.

Torremolinos: Wo sich Schwule hinbegeben, um ihre letzten Jahre zu verbringen/zu sterben.

Werde ich (47) meinen Freund (60) in den Tod geleiten?

Wie er sich gerade von einem Freund (Leberzirrhose, Krebs) verabschieden muss.

Wenn er Dir zeigt, wo er bestattet werden möchte und Du erst jetzt, wo Du im Sand sitzt, merkst, dass das nur noch halbwegs kokett war.

Ins Meer gehen oder Morphium?

Der Tod ist so weit weg und zieht doch spürbar durch die Gassen.

In den Knochen der Alten sitzt noch jede Menge viriler Wille.

Was bleibt ist Brandung.

Charlotte Rampling. Der Mann der nicht mehr aus dem Wasser steigt.

Im Meer, zwei Jungen.

Fehlen die Gigolos im Dezember?

Privilegiencheck.

Abgehakt: Gesicht gebräunt (rote Nase). Füße im Wellenschaum. Sundowners. Viel Fisch. Gevögelt (Spanier sind klein und behaart).

Und weil es mir hier am Strand (und in meiner Masterarbeit) ums Schreiben mit dem Smartphone geht, google ich jetzt „das Meer“ (bevor ich es endlich wirklich anschaue):

2 Kommentare

  1. gedanken unzensiert und frei (juchhu!) beim lesen deiner worte in meinem schreibstübchen…

    mittelmeer – mittel zu mehr?
    boote kämpfen sich durch wellen
    tagnachnachtnachtag

    die sanfte brandung, ist sie das, die zählt?

    sonne pazifik, wo bist du, ich sehne mich nach dir
    stattdessen fällt das grau auf das Fenster vor meinen augen

    weihnachten xmas noel (mit zwei punkten über dem e gedacht) ziemassvētki kurisumasu

    sprachen klingen so verschieden, meinen sie sich auch anders?

    ein adventskalender schließt bald seine pforten

    schade eigentlich
    lass uns zurückfliegen
    ans meer…

    h.

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