Prisma

Er stand am Fenster, alles leuchtete, und er war soeben ohne Hilfe von Albert Hofmann oder Tim oder sonst jemandem aus seinem Körper hinausgetreten. „Ja“, sagte er, und weil er das Reich und die Herrlichkeit sah, sagte er es noch einmal: „Ja.“
T.C. Boyle, Das Licht

50×50, Tag 3

50 Tage lang, vom 7. Dezember 2020 bis ich am 25. Januar 2021 Fünfzig werde, blogge ich täglich zu dem was war, was ist und was sein könnte. Jeden Tag komme ich der Gegenwart ein Jahr näher aus der Vergangenheit (beginnend mit 1971) und der Zukunft (von 2071 zurückzählend).

Was bisher geschah: Es ward Licht und eine Gruppe in die Zukunft katapultierter verließ den einst besten Club der Welt. Roger Whittaker pfiff ein Liedchen, was im weißen Nichtnichts Marianne Faithfull auf den Plan rief. IHR und nicht Yves oder Calvin Klein werfen sich Ben und Max vor die Füsse.
(Vortag: White Ocean / Folgetag: Coronation )

Lauern

1973/2020
An das Jahr 1973 erinnere ich mich natürlich nicht, weil mein Bewusstsein damals noch meiner Sprachentwicklung hinterher brabbelte und ich an meiner Umgebung erste Sätze in Vergangenheitsform testete. Ziemlich sicher fingen diese mit „Gestern…“ an, das Folgende konnte noch kein halbes Jahrhundert umfassen und schon gar nicht konnte ich damals ahnen, dass ganze Gebiete des Gewesenen vom Fluss des Morgen überflutet würde und ich dereinst einen Taucheranzug brauchen würde, oder Kenntnisse im Reisernten.

In Vorbereitung dieser Blogserie dachte ich öfter an ein Plattencover, das mein ‚Vom Gestern durchs Heute ins Morgen’ veranschaulicht; wie also der Strahl des Lebens durchs Prisma des Jetzt in allen Spektralfarben in den Raum der Zukunft gestreut wird.

„Pink Floyd Dark Side of the Moon DSOTM Japan + Obi 12′ vinyl LP“ by vinylmeister is licensed under CC BY-NC 2.0

Pink Floyd haben das Album The Dark Side of the Moon 1973 veröffentlicht. Hocherfreut schiebe ich für Zahlenmystiker:innen dazwischen: Dies ist der 3. Tag der Blogreihe, heute ist der 3. Wochentag, ein Neunter. Ein Dreieck hat drei… und im 25. 01. 2021 verbergen sich auch drei Dreien, schön gefüllt mit Nullen. (Was bedeutet eigentlich die Drei, ausser Ungenügend nach Schweizer Notensystem und dreimal Pech nach Murphy? Heilige Dreifaltigkeit? Inzwischen sind es deutlich mehr, sorry, Kalauer.) Während ich dies schreibe, höre ich auf Kopfhörern Pink Floyd, was die Konzentration ungemein erschwert. Die stellenweise prä-technoide Geräuschkulisse, kulminierend in megalomanem Gitarrenpathos, ist nicht zum Multitasken geeignet, eher zum Psychotrip. Denke ich gerade, als mir der Sänger im Stück Time zubrüllt:

The sun is the same in a relative way but your older
Shorter of breath and one day closer to death

Danke. Das Alter lauert hinter jeder Vergangenheit.

Weil 1973 ansonsten vor allem Ölkrise war und in Chile Pinochet an der Macht, reflektieren wir uns in den Weißen Raum der Zukunft, wo Max, Mia:o, Ben und Yoki inzwischen ins Jahr 2069 zurückbefördert wurden, ohne dies bemerkt zu haben, weil IHR lauschend.

Maison Du Futur

2069
Marianne Faithfull legt Yoki zum Abschied eine Glaspyramide in die Hand und verflüchtigt sich wie Trockeneis, Ben und Max atmen ein, was sie können.
Yoki zeigt mit dem Zeigefinger auf die Spitze des Glases: „주의 ! 프리즘이 매혹되었습니다 ! Marianne Faithfull 은 마녀입니다! 하지만 무엇을 찾아야할지 압니다. 끝을 만져서는 안되며 투사 모드에서 움직이면 안됩니다. 그렇지 않으면 우리는 항상 그리고 영원히 스펙트럼의 포로입니다.“
„Yoki, Yoki, halt ein, wir verstehen Dich nicht!“ *
„오 안돼! 흰색에는 죽음 만 있고 WiFi 도 없습니다. iGetit ™이 작동하지 않습니다! 우리는 길을 잃었습니다 !“
„X meint sicher, dass dies ein Prisma sei und ganz schöne Farben in den Raum werfen kann.“
„Dein Mansplaining hilft uns nicht weiter, Max!“
„Ben, so tu doch Du was!“
„Yoki, english, please“
Entsetzt reißt X die Augen auf: „TRUMP 언어를 말하는 것이 부끄럽습니다. 절대 안돼 !“
„Habt ihr auch Trump verstanden?“
„Wie wär’s mit Japanisch? Ich habe mal ein paar Broken aufgeschnappt, arigato.“
„Was heißt denn Japanisch auf Japanisch?“
Nihonjin“, schallt es aus dem Prisma, auf dessen einer Seite jetzt ein Lautsprechersymbol zu sehen ist, das Yoki offensichtlich angetapst hat.
Yoki stellt das Prisma in ihre Mitte. Auf jeder Seite erscheint nun ein Fingerabdruck. Von ganz weit weg empfiehlt eine rauchige Stimme, dass alle gleichzeitig ihren Zeigefinger ans Glas legen–Sämtliche Feuerwerke der Welt explodieren um die Gruppe, die sich um die Pyramide zu drehen beginnt, schneller und schneller, wie Kinder auf einem Spielplatz auf einer Drehscheibe, zentrifugal durchfliegen sie Millionen Regenbögen, Ben, Yoki und Mia:o kreischen „Einhörner, Einhörner!“ Nur der alte Max hört ganz, ganz leise Judy…somewhere…rainbow…high…, bevor er das verliert, was er Bewusstsein meint.

* Google kann Koreanisch

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